Sind die Finanzmärkte noch zu Retten?

Donnerstag, Juli 26, 2012 12:36
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Die Finanzmärkte waren im abgelaufenen Jahr extrem volatil, die Schuldenkrise hielt die Börsen in Atem, und die Chancen waren vorhanden, wenn auch nicht in den ersten Monaten, sondern nur in den ersten Wochen. Das Börsenjahr 2011 hatte international gut begonnen, bevor ab Mitte Februar die Stimmung umschlug und ein Abwärtstrend einsetzte, der im Sommer in einem regelrechten Absturz gipfelte. Seit den Mindestständen im September haben sich die internationalen Börsen erholt, wenn auch nur leicht.

Unterm Strich bleiben bei (fast) allen wichtigen Indizes Jahresverluste im zweistelligen Prozentbereich. Ausnahmen bilden der britische FTSE 100 (minus 5,6 Prozent) und die New Yorker Leitindizes Dow Jones und Nasdaq, die 2011 sogar leicht im Plus beendet haben.

Reaktionen an den Börsen

Immer wieder reagieren die Börsen mit großen Kursverlusten - Bild: © Dan Race - Fotolia.com

Searching professional essay writer? Visit writing company . Sweating http://gdtopicsguide.in/gdtopics/ Dizziness Unterdurchschnittlich schneidet einmal mehr die Mailänder Börse ab. Der Mib verlor 2011 knapp 25 Prozent seines Wertes, nachdem er bereits 2010 einer von wenigen Indizes mit einem Minus gewesen war. Schlechter fällt die Bilanz 2011 nur beim österreichischen ATX (minus 34,9 Prozent, allerdings plus 16,4 Prozent im Jahr 2010) und beim griechischen Athex aus (minus 52,3 Prozent nach minus 36 Prozent 2010). Damit hat der griechische Leitindex seit dem historischen Höchststand 2007 unglaubliche 87,3 Prozent seines Wertes eingebüßt. Der Mailänder Mib folgt gleich dahinter mit einem ebenso erschreckenden Minus von knapp 70 Prozent im Vergleich zum Höchststand von 2000. Mit anderen Worten: Die im Mib zusammengefassten Unternehmen sind heute laut Einschätzung der Börsianer nur mehr 30 Prozent von dem wert, was sie vor elf (!) Jahren wert waren. Eine damalige Überbewertung oder eine heutige Unterbewertung lässt sich angesichts solch unrealistischer Entwicklungen nicht leugnen.

2011 haben die Börsen die Gewinne von 2010 weitgehend wieder verbrannt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass alle Anleger Verluste hinnehmen mussten. Auch das bisherige Jahr 2012 war einmal mehr von einer hohen Volatilität geprägt. Spekulanten konnten mit etwas Können bzw. Glück beim exakten Anlagetiming die sprunghaften Auf und Ab durchaus für Gewinne genutzt werden. Die Chancen auf Verluste waren allerdings größer als die Gewinnmöglichkeiten.

Aktuelle Indizes

Positiv zu vermerken ist, dass es den Börsen in jüngster Vergangenheit schon einmal schlechter ging als derzeit. Die aktuellen Börsenindizes bewegen sich trotz der 2011er-Verluste nach wie vor beträchtlich über den Tiefstwerten von März 2009, als der Höhepunkt der Finanz- und Weltwirtschaftskrise erreicht wurde. Die Schuldenkrise der Staaten hatte bisher nicht jene verheerenden Auswirkungen wie die Finanz- und Weltwirtschaftskrise. Die große Frage ist, ob das letzte Wort schon gesprochen ist. Was bringt die zweite Jahreshälfte 2012? Wir werden sehen.

Die Proteste der Bürgerbewegungen in Deutschland und auch im übrigen Europa richten sich auch weniger gegen die Notwendigkeit von Einsparungen, sondern gegen ein sozial wenig ausgewogenes Paket. Die Maßnahmen lasten nämlich hauptsächlich auf den Schultern der Arbeitnehmer/innen und der Rentner/innen, während die großen Vermögen auch dieses Mal unangetastet bleiben. Frau Merkel hat zumindest den Mut zu sagen, dass auch jene zahlen sollen, die an der Finanzkrise schuld sind.

Das EU-Budget bewegt sich zwischen 120 und 130 Milliarden Euro, das ist nur ein Prozent des BIP, während die Budgets der Nationalstaaten auf 40 bis 50 Prozent des BIP kommen. Auch nimmt der EU-Haushalt im Vergleich zur Wirtschaftsleistung ab. Übrigens ist das EU-Budget somit in etwa gleich groß wie jenes Wachstumspaket (130 Milliarden), das Angela Merkel, Francois Hollande, Mario Monti und Mariano Rajoy in Rom angekündigt haben. Woher das Geld kommen soll, blieb unklar.

So handelt die Politik

Allen klar geworden dürfte mittlerweile sein, dass ein weitermachen wie bisher, mit immer größeren Rettungsschirmen und ständig neuen Schuldenschnitten, unfinanzierbar ist. Eine Redimensionierung der Eurozone mit dem Austritt von Griechenland und anderen Ländern ist von der Politik nicht gewünscht, weil damit der europäische Integrationsprozess enden würde und weil ein solches Szenario verheerende wirtschaftliche Folgen nicht nur für Griechenland, sondern für die gesamte EU und selbst für Nicht-EU-Länder wie die Schweiz und die USA hätte. Also bleibt nur ein dritter Ausweg: mehr Europa samt Fiskal- und Bankenunion, wenn nicht sogar eine politische Union in Form von Vereinigten Staaten von Europa. Das aber ist Zukunftsmusik.

Lange Zeit sind die Krisenzeichen nicht ernst genommen worden, zumal in eingen Teilen Deutschlands beinahe Vollbeschäftigung herrscht. Erst als sich infolge von staatlichen Steuermaßnahmen zuerst und der allgemeinen Teuerung später Unmut regte, handelte die Politik – und es fanden sich dafür auch entsprechende politische Mehrheiten. Die Senkung der regionalen Steuerlast, die Aufstockung der Mittel für die Wirtschaftsförderung und die zuletzt getroffenen Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft im Bereich der Familien- und Wohnbauförderung waren eine erste Antwort auf die geänderten Rahmenbedingungen.

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